Politik

Die Macht der globalen Wirtschaftsprüfer

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Die Reportage dokumentiert, wie die Big Four in ihrer Doppelrolle als Berater (Steuern) und Prüfer (Bilanzen) einem permanenten Interessenkonflikt unterliegen. Die Doku (Die unheimliche Macht der Berater) zeigt Beispiele in denen dies zu illegalen Machenschaften zum kombinierten Wohle der Berater selbst als auch  ihrer Klienten führt.

 

Big Four

Die Big Four (KPMG, Ernst & Young (EY), Deloitte und PricewaterhouseCoopers (PwC)) sind die 4 größten Firmen der Welt, die Audit-, Steuer-, Management- sowie Digitalisierung-Beratung anbieten. Zusätzlich bieten sie auch Aktuarielle- und Rechtsdienstleistungen an. Sie übernehmen die überwiegende Mehrheit der Prüfungen sowohl für öffentliche als auch für viele private Unternehmen. Gemeinsam beschäftigen die Big Four weltweit über 800.000 Angestellte bei 120 Milliarden Euro Umsatz

 

Die Big 4 sind überall und beraten auch den Gesetzgeber. Kaum eine Branche hat so viel Einblick in die (Finanz)-Daten nicht nur ihrer direkten Kunden, sondern (zumindest teilweise) auch von deren Kunden. Dieses Herrschaftswissen gleicht weltweit einem Monopol, das sehr lukrativ ist.

 

Die Wirtschaftsprüfer von analysieren  Bilanzen und erstellen am Ende ein Testat. Gleichzeitig haben die Big 4 auch Beraterverträge, die noch viel lukrativer sind. Die Unternehmensberatung macht etwa 2/3 des Umsatzes aus. Führt diese Konstellation nicht automatisch zu einem Interessenkonflikt?

 

Die Europäische Union hat 2016 knapp 120 Mio. Euro für Beratungsaufträge an die Big 4 ausgegeben.

 

Lehman Brothers

Die Pleite der Bank war einer der entscheidenden Auslöser der globalen Finanzkrise ab 2007 (allein in Deutschland zahlte knapp 60 Milliarden an Steuergeldern zur Stützung der Banken). Ein wichtiges Instrument der „kreativen Buchführung“ war die Verwendung des sogenannten „Repo 105“. Seit 2001 hatte Lehman zum Quartalsende auf diese Weise kurzfristige Kredite in Höhe von 20 bis 25 Milliarden Dollar aus der Bilanz eliminiert.

Dennoch gaben die Prüfer von Ernst & Young der Lehman Bank ein schriftliches Testat zur „Ordnungsgemäßen Buchführung“ selbstverständlich ohne Offenlegung von Repo 105.

 

Deutsche Bank

2010 stimmt die Deutsche Bank einem Vergleich mit dem Staatsanwalt von New York zu und zahlte mehr als 550 Mio. Dollar. KPMG hatte illegale Steuermodelle für die Bankkunden entwickelt. Beide räumten kriminelles Verhalten ein. Aufgedeckt wurden die Machenschaften auch durch Whistleblower.

KPMG hat Steuermodelle erfunden, vermarktet, verkauft und sie haben ihren Kunden geholfen die Entdeckung durch die Behörden zu vermeiden. Sie prüften die Steuervermeidungsmodelle, die sie sich selbst ausgedacht haben.

 

Lux-Leak Skandal

Luxembourg Leaks  ist der Name eines Finanzskandals, der im November 2014 durch eine journalistische Untersuchung des „International Consortium of Investigative Journalists“ aufgedeckt wurde. Es basiert auf vertraulichen Informationen über Steuerabkommen, die PricewaterhouseCoopers (PWC) von 2002 bis 2010 zum Nutzen ihrer Kunden (hauptsächliche multinationale Konzerne) arrangiert hatte. Diese Untersuchung führte dazu, dass die Steuerbescheide von über 300 multinationale Unternehmen mit Sitz in Luxemburg der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt wurden.

 

Die luxemburgische Justiz verklagte die beiden Whistleblower (keines der beteiligten Unternehmen wurde angeklagt). Der sogenannte LuxLeaks-Prozess fand im Frühjahr 2016 statt und führte zur Verurteilung der beiden Hinweisgeber. Das Urteil des Berufungsverfahrens wurde im März 2017 gefällt, indem die Geldbußen aufrechterhalten und die Bewährungsstrafe reduziert wurde.

 

Panama Papers

Als Panama Papers (deutsch Panama-Papiere) werden vertrauliche Unterlagen des Offshore-Dienstleisters Mossack Fonseca bezeichnet, die infolge eines 2,6 Terabyte großen Datenlecks am 3. April 2016 an die Öffentlichkeit gelangten.

Nach Einschätzung der beteiligten Medien (u.a. Reporter von WDR, NDR, etc.) belegen die Unterlagen legale Strategien der Steuervermeidung, aber auch Steuer- und Geldwäschedelikte, den Bruch von UN-Sanktionen sowie andere Straftaten durch Kunden von Mossack Fonseca.

Ein anonymer Whistleblower hatte sie 2015 zunächst dem deutschen Journalisten Bastian Obermayer von der Süddeutschen Zeitung zugespielt. Anschließend koordinierte das „International Consortium of Investigative Journalists“ (ICIJ) die einjährige Datenauswertung und weitere Recherchen.

Am 9. Mai 2016 stellte das ICIJ eine Datenbank online, die Namen und Adressen von über 300.000 Briefkastenfirmen und Trusts sowie die ihrer Vermittler enthält und die einiger Tausend Anteilseigner. Die Original-Dokumente wurden dagegen nicht veröffentlicht.

 

Paradies Papers

Bei den Paradies-Papieren handelt es sich um einen Satz von 13,4 Millionen vertraulichen elektronischen Dokumenten im Zusammenhang mit Offshore-Investitionen. Sie wurden den deutschen Reportern Frederik Obermaier und Bastian Obermayer (Süddeutsche Zeitung) zugespielt. Die Zeitung teilte sie mit dem „International Consortium of Investigative Journalists“ und einem Netzwerk von mehr als 380 Journalisten. Einige der Details wurden am 5. November 2017 veröffentlicht.

 

Die Dokumente stammen von der Anwaltskanzlei Appleby, den Unternehmensdienstleistern Estera und Asiaciti Trust sowie von Handelsregistern in 19 Steuerjurisdiktionen. Sie enthalten die Namen von mehr als 120.000 Personen und Unternehmen (u.a. Apple, Glencore, Nike sowie PokerStars). Unter denjenigen, deren finanzielle Angelegenheiten separat erwähnt werden, sind AIG, Prince Charles, Queen Elizabeth II, Präsident Juan Manuel Santos (Kolumbien) und Wilbur Ross (US Handelsminister).

 

Aus den Unterlagen geht auch die Aktivität der Beraterfirma Deloitte  hervor. Diese hatte 2013 ein besonders Steuerspar-Modell für die Hotelkette Meininger entwickelt, welches insbesondere darauf beruhte, den Firmensitz auf die  „Isle of Man“ zu verlegen.

 

CumEx

Die CumEx-Akten sind ein Steuerbetrugsprogramm (Dividendenstripping), das 2017 durch eine Zusammenarbeit zwischen einer Reihe europäischer Medien aufgedeckt wurde. Ein Netzwerk aus Banken, Aktienhändlern, Beratern und Anwälten hatte durch vermuteten Betrug mit Dividendensteuer Milliarden von den europäischen Finanzbehörden kassiert. Die fünf am stärksten betroffenen Länder haben möglicherweise mindestens 60 Milliarden Euro verloren.

Deutschland ist das am stärksten betroffene Land, wobei rund 35 Milliarden Euro aus der deutschen Staatskasse entnommen wurden. Die geschätzten Verluste für andere Länder umfassen mindestens 17 Milliarden Euro für Frankreich, 4,5 Milliarden Euro in Italien sowie 1,7 Milliarden Euro in Dänemark.

 

Fazit

Viele Skandale rund um die Big Four, aber auch ein sogenannter Teflon-Effekt: an den Big Four bleibt nichts haften. Und auch wenn wahrscheinlich mehr 90% der Mitarbeiter einfach ihren Job machen, so scheint es Ausnahmen zu geben.