Das Ende der Intimität – Privatsphäre gibt’s nicht mehr!
Hat Intimität und Privatsphäre im Internet-Zeitalte überhaupt noch eine Zukunft? Kontroll- und Überwachungssysteme, die in unsere Privatsphäre eindringen, sind im Vormarsch. Aber auch die Begeisterung an medialer Selbstdarstellung gehört zu den Phänomenen unserer Zeit. Unter diesen Vorzeichen vollzieht sich eine weit reichende Neupositionierung und Bedeutungen von Öffentlichkeit und Privatsphäre. Die Terrorangst macht’s möglich: Immer mehr Bahnhöfe, Flugplätze, Autobahnraststätten, Schwimmbäder, Fußball- stadien, aber auch Privathäuser werden mit Videokameras überwacht. Dazu kommen “elektronische Reisepässe“, die biometrische Daten wie Irismuster und Fingerabdrücke auf kleinen RFID Chips speichern.
Der gläserne Mensch wird Realität.
Eine Entwicklung, die vielen Angst macht. Zugleich boomen Internet-Plattformen wie YouTube, StudiVZ und MySpace, wo persönliche Daten ganz ohne Intimität und zwang freiwillig einer breiten Öffentlichkeit preisgegeben werden: pickelige Teenager interessieren sich nicht für Anonymität im Internet und springen durch schlecht ausgeleuchtete Schlafzimmer und grölen ihre Lieblingssongs in die Kamera. Pechvögel laden ihre Wii Unfälle auf Youtube rauf und Übergewichtige Rentner führen stolz durch ihre Wohnungen. Biedere Hausfrauen plaudern zwanglos über ihre masturbatorischen Erfolge und die peinlichen Fotos der letzten Klassenfahrt sind eine halbe Stunde nach Ankunft Zuhause schon in Facebook hochgeladen. Und dann wundert man sich auf einmal, dass es im Internet keine Privatsphäre mehr gibt …
80 junge Männer zwischen 14 und 24 Jahren sitzen derzeit im Jugendstrafvollzug des Landes Bremen. Der Jugendknast, das ist das Haus IV der 150 Jahre alten Justizvollzugsanstalt Bremen Oslebshausen. Tür an Tür mit den “Altknackis” verbüßen die Jugendlichen ihre Haftstrafe. Keine gute Voraussetzung für Resozialisierung. Der Gefängnis-Alltag leidet aber auch unter der Haushaltsnotlage im Land Bremen. Eine Schule im Gefängnis gibt es noch, aber sinnvolle Arbeitsangebote wie in der Bildhauerwerkstatt sind Mangelware. Zum Vergleich: Als das Land Bremen im Blockland noch ein eigenes Jugendgefängnis unterhielt, gab es Werkstätten für Maurer, Maler und Schlosser – dazu eine Gärtnerei und Tischlerei. Jetzt wird neben acht Plätzen in der Bildhauerwerkstatt auch acht Jugendlichen ein TIP-Angebot unterbreitet. TIP heißt soviel wie Testen, Informieren, Probieren und dahinter steckt stupide Bastelarbeit im Anstaltskeller. Dazu gibt es immer weniger Personal: Mitunter betreuen zwei Vollzugsbeamte 60 inhaftierte Jugendliche im Gefängnis. Der Dokumentarfilm will Einblick verschaffen in den Tagesablauf und in die Gefühlswelt junger Strafgefangener – die Grenzen und Möglichkeiten eines Lebens jenseits der Kriminalität werden dabei abgetastet. Dabei drängt sich eine zentrale Frage in den Vordergrund: Wie resozialisiert man junge Männer, die nie sozialisiert wurden?
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